Kompendium Wundbehandlung Wundheilung
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Diab. Fußsyndrom > Therapie > Lokale Wundbehandung > Akutphase I: Wundreinigung

Akutphase I: Wundreinigung

Das gründliche chirurgische Debridement ist in der Regel der schnellste und sicherste Weg zur Infektionseindämmung und Sanierung der Wunde. Nekrosen und schmierige Beläge müssen entfernt werden, Taschen und Eiterhöhlen sind großzügig zu eröffnen. Ein ungestörter Sekretabfluss kann mit Drainagen gewährleistet werden.

Je nach der Entwicklung neuer Nekrosen oder Fibrinbeläge kann während des Heilungsverlaufes immer wieder ein subtiles Debridement (Säuberung mit Skalpell, scharfem Löffel) sowie eine Wundrandanfrischung bzw. das Abtragen von Fibrinbelägen erforderlich werden. Kallöse, areaktive Wundränder sind tangential abzutragen und sollten 2 bis 3 mm in das gesunde, gut durchblutete, weiche und nicht hyperkeratotische Gewebe ausgedehnt werden. Ideal ist, wenn nach dem Debridement das Kapillarbett, sichtbar an kleinsten Punktblutungen im behandelten Wundbereich, erreicht wird.

Alternativ kann ein enzymatisches oder biochirurgisches (Madentherapie) Debridement erwogen werden.

Die Wunde wird mit einer Fett- oder Silikongaze ausgelegt, so dass Wundfläche und primärer Verband nicht verkleben. Auf Salben, okklusive Verbände oder aggressive Desinfektion sollte generell verzichtet werden. Die umgebende intakte Haut wird mit Fettsalbe abgedeckt und der Verbandswechsel erfolgt zwei Mal täglich.

Nach initialer Reinigung der Wunde können in der Akutphase silberhaltige oder polihexanidhaltige Wundauflagen sinnvoll sein, um die bakterielle Belastung der Wunde zu reduzieren.

Ergänzend kann bei infizierten Wunden eine Spülung mit milden Antiseptika erfolgen, wobei idealerweise moderne Antiseptika auf Basis von Polihexanid eingesetzt werden. Von jodhaltigen Präparaten (Auslösen einer thyreotoxischen Krise) oder Wasserstoffperoxid (Beeinträchtigung der Zellproliferation im Wundgebiet) ist abzuraten.

 

Zur Beachtung: Keine Verwendung von Salben auf der Wunde, keine Keratolytika oder lokale Antibiotika; nicht empfohlen werden in dieser Phase semiokklusive bzw. okklusive Verbandsysteme.

 

Bei Ulzera neuropathischer Genese bzw. gemischt neuropathisch-angiopathischer Genese ist eine absolute Druckentlastung für die gesamte Heilungsdauer erforderlich. Geeignet hierzu sind z.B. Therapieschuhe, die den Vorfuß bzw. die Fersen vom Druck entlasten, dabei aber eine frühzeitige Mobilisierung ermöglichen. Zu beachten ist vor allem, daß auch jede noch so kurzfristige Belastung zu vermeiden ist, da sie zu irreversiblen Zellschädigungen führt. Zeigt die Wunde trotz ausreichender Durchblutung, sachgerechter lokaler Wundtherapie und ggf. systemischer Antibiotikatherapie keine Heilungstendenz, ist nicht selten eine unzureichende Druckentlastung die Ursache für die Stagnation.

Bei Ulcera rein angiopathischer Genese kann eine Beintieflagerung sowie das Warmhalten der Extremität durch einen Wattestiefel die lokale Durchblutungssituation stimulieren.

Die Maßnahmen werden fortgesetzt, bis die Wunde vollständig sauber ist. Häufig ist dabei die Konstellation vorzufinden, daß ein Teil der Wunde bereits granuliert, während sich andere Partien noch in der Reinigungsphase befinden. Dann ist bei einer eventuell noch erforderlichen Wunddesinfektion sowie bei mechanischer Reinigung um das Granulationsgewebe herum besondere Vorsicht geboten.

 

 

→ Phase II: Granulationsgewebe

 

 






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