Infektion
Die infizierte Gangrän und das tiefe, diabetische Ulcus zeichnen sich durch ein breites Spektrum sowohl gram-negativer als auch gram-positiver anaerober und arober Erreger aus, wobei zumeist eine Mischinfektion vorliegt.
Zu den Erstmaßnahmen in der Therapie des diabetischen Fußes gehört neben der chirurgischen Intervention die systemische antibiotische Therapie nach Sicherung des Keimspektrums. Für die Keimbestimmung reicht allerdings kein einfacher oberflächlicher Abstrich (Swap) sondern es ist ein tiefer, wenn möglich aus vier Quadranten gewonnener, Abstrich oder eine Biopsie zu fordern.
Das verordnete Antibiotikum muss auch im bradytrophen Gewebe einen ausreichenden Wirkspiegel erreichen. Im Rahmen der Infektbekämpfung ist ebenfalls eine zumindest „Nahe“-Normoglykämie als Stoffwechselziel zu fordern, da eine mangelhafte Blutzuckereinstellung die Leukozytenfunktionen wie Diapedese, Adhärenz, Chemotaxis und Phagozytose verschlechtert.
Prinzipiell sind eine sich ausbreitende Sepsis, die nekrotisierende Faszilitis und die nicht-clostrische anaerobe Myonekrose lebensbedrohende Erkrankungen.
Die lokale Applikation von Antibiotika ist unbedingt zu vermeiden, da dadurch keine ausreichenden Wirkspiegel, insbesondere in tieferen Bereichen der Wunde, erreicht werden. Daneben können vermehrt lokale allergische Reaktionen ausgelöst und die Entwicklung von Resistenzen gefördert werden.
Eine Gabe von Antibiotika im Stadium 1 ist - auch prophylaktisch - nicht notwendig. Ab dem Stadium 2 ist eine Antibiose obligat. Diese kann im Stadium 2b durch eine orale Gabe erfolgen. Bei einem Stadium 2c sollte mit einer intravenösen Phase rasch ein ausreichender Wirkspiegel des Antibiotikums aufgebaut werden. Nach ein- bis zweiwöchiger Therapie kann, sofern die Entzündungszeichen rückläufig sind und es auch der klinische Lokalbefund erlaubt, auf eine orale Gabe umgestellt werden. Liegt ein Stadium 3 vor, muß unbedingt eine intravenöse Antibiose, entsprechend den Leitlinien der Osteomyelitis-Therapie, für mindestens sechs bis acht Wochen intravenös erfolgen. Wichtig ist eine ausreichende Sanierung des Knocheninfektes, daher muß der initialen intravenösen Antibiotika-Gabe eine orale Phase folgen, wodurch die Therapiedauer somit im Einzelfall bis zu einem halben Jahr betragen kann. In den Stadien 4 und 5 ist die Dauer einer Antibiose in Abhängigkeit vom Erfolg der Defektsanierung (z.B. im Rahmen einer Minor-Amputation) und dem klinischen Bild individuell anzupassen.


