Kompendium Wundbehandlung Wundheilung
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Diab. Fußsyndrom > Pathogenese > Pathophysiologie der Wundheilung

Pathophysiologie der Wundheilung beim chronischen diabetischen Ulcus

Der Diabetes per se ist als klassische „Wundheilungsstörung“ verbunden mit verschlechterter Wundheilung und erhöhter Infektionsrate.

 

Aufgrund des Systemcharakters des Diabetes mellitus kann von einer umfassenden Störung von Stoffwechsel und Funktionsprozessen des Organismus ausgegangen werden, die sich neben einer Verminderung auch in einer Störung der Struktur, der Zusammensetzung und des Verhältnisses einzelner Mediatoren der Wundheilung (Wachstumsfaktoren, Interleukine, Proteasen etc.) zueinander äußert.

 

Im weiteren Heilungsverlauf sind sowohl das zeitliche Zusammenspiel gestört, als auch die jeweiligen Konzentrationen der Faktoren im Wundgewebe verändert, wobei für eine normale Wundheilung gerade das zeitliche und konzentrationsabhängige Zusammenspiel dieser Faktoren von grundlegender Bedeutung ist.

 

Gerade in chronischen Wundsekreten (Ulcus cruris, diabetisches Fußsyndrom) ist eine deutlich erhöhte und zeitlich verlängerte Proteasenaktivität festzustellen.

 

Persistierend hohe Konzentrationen insbesondere von sogenannten Metallo-Matrixproteasen (MMPs) können zu einer Chronifizierung von Wunden führen, indem neben der protrahierten physiologischen Wirkung der Proteasen (wie die Fenestrierung der Basalmembran, Debridement der Matrix, Induktion der Gefäßknospung im Rahmen der Neoangiogenese etc.) eine hohe MMP-Aktivität geeignet ist, Wachstumsfaktoren und auch deren Rezeptoren zu denaturieren.

 

Beim diabetischen Fußsyndrom kommt es durch die bakterielle Kontamination und rezidivierende, schmerzlose Traumatisierungen des Gewebes zusätzlich zu einer verlängerten inflammatorischen Reaktion. Makrophagen und Neutrophile Granulozyten sezernieren verschiedene Wachstumsfaktoren und stimulieren insbesondere über TNFα und Interleukin-1β (IL-1β) die Synthese von Metallo-Matrixproteasen aus Fibroblasten. Die erhöhten Spiegel von Proteasen im Wundgebiet führen zu einer unkoordinierten Wundheilung mit gleichzeitigen Auf-, Um- und Abbauprozessen der Matrix und der Zerstörung der die Wundheilung unterhaltenden Wachstumsfaktoren.

 

Neben den grundlegenden Therapiemaßnahmen (Stoffwechseleinstellung und Schulung, Entlastung der betroffenen Extremität, Antibiose, strukturierte lokale Wundbehandlung und differenzierte chirurgische Maßnahmen) stehen für chronische und schlecht heilende Wunden innovative Therapiekonzepte, wie zum Beispiel die (autologe) Transplantation von Haut(-zellen), die Applikation von rekombinanten Wachstumsfaktoren oder von Protease-Inhibitoren, zur Verfügung.

 

→ Klassische diabetische Fußläsion

 

 






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