Wirkungsweise der Madentherapie
Der therapeutische Effekt der Larven beruht auf ihrem Verdauungssekret, das zur extrakorporalen Verdauung in die Umgebung abgegeben wird. Dieses Sekret verflüssigt abgestorbenes Gewebe (Nekrosen) und Wundbeläge (e.g. Biofilme), die von den Larven aufgesaugt werden und ihrer Ernährung dienen. Im Wesentlichen lassen sich drei Wirkungen des Sekrets für die Wundbehandlung nutzen:
![]() | Die Wundreinigung (Debridement) ist zurückzuführen auf proteolytische Enzyme, die die eiweißhaltigen Nekrosen und Wundbeläge verflüssigen, lebendes Gewebe aber nicht angreifen. Eine Larve kann pro Tag bis zu 0,3 g nekrotisches Material aus der Wunde entfernen. |
![]() | Die Beseitigung von Wundinfektionen (grampositive Erreger) erfolgt einmal über das Debridement der Wundoberfläche und den Spüleffekt einer gesteigerten Wundsekretion, zum anderen durch Veränderungen des pH-Wertes in der Wunde, antiseptische Substanzen (Ammoniak, Ca-Bicarbonat, Phenylacetat, Phenacetaldehyd u.a.) und möglicherweise auch durch eine Immunmodulation. Zur Abklärung der Wirkmechanismen besteht ein hoher Forschungsbedarf. |
![]() | Die Stimulation von Wundheilungsvorgängen ist zurückzuführen auf den positiven Effekt des Debridements und der Infektbeseitigung, aber auch auf Wirkstoffe wie Allantoin, Harnstoff, Wachstumsfaktoren u.a.. Diese bedeutsame Eigenschaft des Madensekrets, die Wundheilung zu beschleunigen, ist wichtig bei der Behandlung chronischer Wunden, insbesondere wenn wie beim Diabetes das Phänomen des "impaired wound healing" vorliegen sollte. Wie bei der Infektbehandlung besteht auch bezüglich der proliferationssteigernden Wirkung des Madensekrets noch ein großer Forschungsbedarf. |



